Mein gestochenes Weihnachtsgeschenk - das Septum

Carsten Wasow mit Piercings (Februar 2016)

Carsten Wasow und seine Piercings

Ich bin erst recht spät zu Piercings gekommen, war damals schon über vierzig, aber nachdem ich einige Jahre zuvor mit den obligatorischen Ohrringen angefangen habe, kam vor etwa anfangs der Neunziger Jahre der Nasenstecker hinzu, den ich mir noch selbst gestochen habe, wovon ich aber jedem abraten möchte. Im Jahre 1998 gab es ein Bauchnabelpiercing, was ich aber wieder entfernen mußte, weil es herausgewachsen ist. Im Herbst 2000 traute ich mich an die Zunge ran, aber auch erst im dritten Anlauf - Feigling ! Dabei war das aber überhaupt nicht schlimm, die Nadel flutscht da durch wie durch Butter :-).
Ein Jahr später kam das Labret dran, wieder ein Jahr später ein Madonna. Anschließend gab es dann das Piercing im Lippenbändchen, das ich aber wegen dem Zahnarzt entfernt habe und nicht wieder hinein bekam.

Zu Weihnachten 2003 sollte es dann etwas ganz besonderes sein, ich wollte endlich ein Septum-Piercing, weil das damals nicht jeder hatte.

Mehrmals war ich in meinem Piercing-Studio, dem Trust-Body-Piercing-Studio in Mannheim, aber immer ging ich unverrichteter Dinge wieder nach Hause, weil sie dort die schwarzen Keeper zum Verstecken des Piercings nicht hatten, denn im Beruf wollte ich nicht auch noch ein Septum tragen (Madonna, Nasenstecker, Labret und Zungenpiercing sind schon hart genug für eine deutsche Behörde, wo ich damals mit vierzig fast einer von den Jüngsten war ...:-).
Nach zwei Fehlversuchen beschloß ich selbst in anderen Studios nach den schwarzen Keepern zu suchen und bin in Karlsruhe dann fündig geworden. Nachdem mir die Piercer bei Trust zusagten, daß sie damit einverstanden sind, wenn ich den Keeper mitbringe, war es also beim dritten Anlauf am 6. Dezember 2003 endlich soweit:
Ich ging also ins Trust-Piercing-Studio in Mannheim und ließ mir mein Septum stechen.

Piercer Olli hatte mich schon mehrfach vorher seelisch und moralisch darauf vorbereitet, daß das Septum nicht ganz ohne ist und daß er Septums haßt. Auch im Internet habe ich einiges darüber gelesen, unter anderem auch bei BME. So ging ich schon mit einem etwas mulmigen Gefühl ins Studio.
Meinen Keeper habe ich mir ja bereits vorher in Karlsruhe organisiert, weil es bei Trust keine mehr gab und sie damals auch keine heranschaffen konnten. Ich gab ihn zum sterilisieren ab und ging noch eine Runde in die Stadt durch die Geschäfte bummeln, weil ich eine Stunde warten mußte, bis der Keeper fertig sterilisiert war. Mir war schon ziemlich mulmig.

Dann kam ich wieder und es konnte losgehen. Ich fragte, ob die Nadeln schon scharf sind. Nach ein paar dummen Sprüchen forderte Olli mich auf in den Piercing-Raum zu gehen. Ich legte ich mich dort auf die Liege. Seine Assistentin wollte zuschauen und ein paar Bilder von der Prozedur machen, was ich ihr natürlich erlaubte.
Dann schmierte Olli etwas Emla zum Betäuben auf die Nase und legte die Stelle fest, wo gestochen werden sollte. Er meinte, bevor er loslegte, daß durchaus ein paar Versuche nötig sein könnten, bis es gerade sitzt.
Ich malte mir den Vorgang in den düstersten Farben aus, aber - wer schön sein will, muß leiden. Also: Augen zu und durch. Nachdem ich also schon auf das Schlimmste gefasst war legte Olli die Klemmzange an, was etwas drückte und "schwupps" schon war die Nadel durch. Ich habe außer dem Druck der Klemmzange praktisch nichts gespürt. Nun kam noch der Schmuck hinein, also fuschelte Olli noch den Keeper in die Nase, und fertig war mein neues Septum. Leider konnte ich es noch nicht gleich bewundern, denn der Keeper ist ja in erster Linie zum Verstecken da.

"Wie das war alles ???" Ich muß sagen, ich habe es mir nach all den vielen Schilderungen sehr viel schlimmer und schmerzhafter vorgestellt. Das Unangenehmste war eindeutig die Klemmzange, aber ihr Druck hat vom eigentlichen Stechschmerz abgelenkt.

Am ersten Tag hat der Keeper noch ein wenig gedrückt, aber das hat bald nachgelassen. Auch das Berühren war anfangs etwas schmerzhaft, aber auch das hat nach wenigen Tagen aufgehört. Mit Octenisept habe ich regelmäßig die Einstichstelle desinfiziert. Während der Abheilzeit habe ich keine Probleme mit meinem Septum gehabt. Nach etwa drei Wochen habe ich zuhause das erste Mal einen Ring hereingemacht und war rundum zufrieden mit meinem gestochenen Weihnachtsgeschenk.

Probleme hat mir mein Septum-Piercing in ersten Monaten, seitdem ich es hatte, und all den Jahren danach eigentlich keine bereitet, auch das vielfach erwähnte Naseputzen machte mir von Anfang an keinerlei Schwierigkeiten. Ich bin heute noch froh darüber, daß ich mich damals getraut habe, mir dieses Piercing stechen zu lassen.
Ich kann nur jedem raten, der mit dem Gedanken spielt, sich das Septum piercen zu lassen: trau Dich, es ist gar nicht so schlimm, wie man es sich immer vorstellt.

Aber auch meinem Piercing-Team im Trust-Body-Piercing-Studio in Mannheim möchte ich herzlich danken, die machen wirklich eine hervorragende Arbeit, die man unbedingt empfehlen kann. Dafür lohnt sich auch die 70 km-Fahrt von Karlsruhe.

Piercing ist fast wie eine Sucht, mal sehen, was als nächstes kommt. Es gibt da noch ein paar Stellen, die man durchlöchern kann....

Dieser Artikel erschien erstmals im Jahr 2004 auf der Piercing-Platform BME. Ich habe ihn für diese Seite etwas abgewandelt.

Wenig später ließ ich mir übrigens ein Bridge stechen, aber das habe ich seit einiger Zeit herausgenommen. Als letzte Piercings kamen noch ein Helix im rechten Ohr, ein Industrial im linken Ohr und die Snake-Bites hinzu.

Trotzdem ich zwischendurch über längere Zeit durchaus auch keinen Schmuck in meinem Septum drin hatte, ist es nie zugewachsen. Mein Septum-Piercing wurde übrigens damals mit einer 1,6 mm-Nadel gestochen, aber in letzter Zeit habe ich zwar meistens ein 1,2 mm dickes Hufeisen mit 7 mm Durchmesser und kleinen 3 mm-Kugeln in meiner Nase. Es ist etwas aufgebogen, damit ich es einklappen kann, um es während der Arbeit zu verstecken. Aber auch Schmuck in der 1,6 mm-Größe passt nach wie vor problemlos hinein.
Seit Weihnachten 2016 trage ich mein Septum übrigens offen und auch während der Arbeit. 

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